Korsika 1998

Als wir letztes Jahr mit den Motorrädern am Gardasee waren, haben wir beschlossen, daß wir dieses Jahr für mindestens 3 Wochen nach Korsika und Sardinien fahren. Da ich etwas mehr Urlaub als geplant für meine Diplomarbeit verbraten mußte wurden leider nur 2 Wochen daraus und folglich wurde Sardinien wegen Zeitmangel gestrichen.
Nach noch einigen Terminschwierigkeit konnten wir uns dann auf die ersten beiden Juli-Wochen einigen.

 

Am Freitag, den 3. Juli 1998 starteten wir dann tatsächlich.

Rast auf der AnfahrtBedingt durch meinen Urlaubsmangel konnten wir allerdings erst gegen 15 Uhr losfahren. so daß unser erstes Etappenziel nur Marktoberdorf war. Geschickterweise wohnt dort nämlich die Tante unseres Kawa Treibers, so daß wir eine sehr nette und bequeme Gelegenheit zum Übernachten hatten

Nach einem wirklich opulenten Frühstück und fast herzzerreisender Abschiedsszenen sind wir dann gegen 11 Uhr zu unserer zweiten Etappe gestartet.

Anvisiertes Ziel war Torri am Lago di Garda.

TimmelsjochDa wir für die geplanten 350 Kilometer bis nach Torri eigentlich den ganzen Tag Zeit hatten, haben wir uns natürlich eine schöne Strecke über das Timmelsjoch ausgesucht.

Es war am Timmelsjoch so eisig kalt (es lag sogar stellenweise noch Schnee), daß wir uns recht schnell wieder auf die Abfahrt stürzten.

Das mit dem Stürzen nahm ich wohl etwas zu wörtlich, denn bei der Abfahrt auf der italienischer Seite meinte ein etwas älterer Ostdeutscher in einer 180 Grad Kehre anhalten zu müssen. Anscheinend weil es der Verkehr erforderte.
Für mich war seine Aktion nicht ganz nachvollziehbar, da ich mir just in diesem Moment überlegt hatte, ihn zu überholen. Nun ja, was kommen mußte kam und ich dozzte ihm im Schritttempo mit blokierendem Vorderrad hintenrein.
Schadensbilanz : Ein Kratzer mehr am Sturzbügel, etwas Benzin weniger im Tank und eine lackierte Stoßstange mit Gummistreifen und Kratzer von meinem Vorderreifen beim Unfallgegener.
Geschickterweise bin ich auf meinen Füßen gelandet, so daß mir überhaupt nichts passiert ist und wir nach dem Austausch einiger „Nettigkeiten“ und kurzem Check des Mopped weiterfahren konnten.

Die restliche Fahrt war zum Glück weniger spektakulär, so daß wir dann doch schon gegen 20 Uhr in Torri eintrafen und eine halbe Stunde später uns total erschöpft (es hatte mittlerweile über 30 Grad) ins Gras des Campingplatzes werfen konnten.

Zelt aufbauen, Duschen, dann ne Pizza und ein paar Bier. Den nächsten Tag wollten wir erstmal am Gardasee bleiben, da es hier ja auch einige schöne Sträßchen gibt, die es zu befahren gilt.

Am Sonntag sind wir dann bis zum Verbotsschild den Altissimo hochgefahren und haben noch etwas die bei unserem letzten Gardasee Trip ein bißchen vernachlässigte Ostküste abgegrast. 200 KM später konnten wir nochmals Pizze, Wein und leckeres Eis geniessen. Und das zu Preisen, denen wir später noch nachweinten.

Am Montag morgen war nach unserer obligatorischen Frühstücksformation (alle 3 Motorräder sternförmig mit dem Heck in der Mitte, und dann alle falsch rum auf das Motorrad sitzen – so lassen sich fehlenden Campingtisch und Stühle gut kompensieren) erst mal packen angesagt.

Nach exakt 409 KM kamen wir um 19.30 in Livorno an. Lustigerweise ist die letzte Fähre an diesem Tag um 19.00 Uhr gefahren. Nachdem wir erst mal stundenlang ein Fährbüro Namens Navarama, bei denen man angeblich auf dem Schiff übernachten kann, gesucht hatten und irgendwann feststellen mußten, dass das von Moby Lines aufgekauft wurde entdeckten wir zum Glück ein äquivalentes Angebot – Mobby Night. Man kann das Mopped bis 23.00 Uhr verladen (und wichtig: selbst verzurren !), an Bord in der Kantine sogar relativ günstig Abend essen und sich danach in der etwas zu kleinen und stickigen Kabine aufs Ohr hauen. Am nächsten Morgen wird man pünktlich um 7 Uhr durch das Schaukeln beim Auslaufen geweckt und ist um ca. 12 Uhr in Bastia.

Durch das Stadtgewühl in Bastia schlängelten wir uns auf der Suche nach einem Campingplatzn entlang der Ostküste Richtung Süden. ein paar KM nördlich von Aleria entdeckten wir einen netten schattigen Campingplatz mit eigenem Pinienwald. Der nette Campingplatz Besitzer lieh uns sogar kostenlos Campingtisch und Stühle, so daß wir ein paar Tage ohne Frühstücksformation leben mußten.

 

So, sieht dann ein vollausgestatteter Campingplatz inklusive Dartscheibe, die wir natürlich selbst mitgebracht hatten, aus.

 

Am Mittwoch starteten wir zu unserer ersten Tour ins Inland. Kurz nach Fratta ging es auf der D17 Richhtung Piobetta, D71 Richtung Groce, D515 Richtung Porta, D205 auf D506 Richtung Taglio, D330 auf D71 Richtung Prunette.

Auf dem letzten Stück zurück wurden wir mit herrlichem Blick auf das Meer belohnt.

Am nächsten Tag kam die erste Tour, die mein Herz höher schlagen ließ. Bei Fayone die D168, die nach den ersten Metern zur Piste wird, Richtung Conca und dann weiter Richtung Zona. Meine Begleiter waren von der Strecke leider nicht ganz so erfreut wie ich, da sie mit ihren Straßen Motorrädern etwas langsamer fahren mußten.

Zurück ging es dann auf eher schlechtem Asphalt Richtung Sari- Solenzara, wo wir auf der Strecke noch an einem Fluß mit genialen aufgestauten Badebecken uns den Staub aus den Knochen planschen konnten.

Am Freitag packten wir morgens unsere Moppeds und machten uns wie geplant auf den Weg weiter Richtung Süden. wir wollten möglichst viel von der Insel sehen, so daß wir beschlossen haben maximal 3 Tage auf einem Campingplatz zu bleiben.

Unsere erste größere Rast machten wir in Bonifacio, der südlichsten Stadt Kosikas. Hier bestaunten wir zwar hauptsächlich die Yachten der Reichen, aber auch die Altstadt ist äußerst sehenswert.
Da wir aber leider nicht alle Zeit der Welt hatten uns Bonifacio anzusehen machten wir uns auf, entlang der Westküste einen Campingplatz zu suchen. Aber wir waren uns ziemlich sicher, daß wir nochmal nach Bonifacio zurück kommen würden für einen ausgiebigen Stadtbummel.

Am Abend hatten wir dann einen Campingplatz an einer Bucht mit einem sehr schönen Strand gefunden. Leider mußten wir unsere Moppeds auf dem Camping eigenen Parkplatz abstellen, was uns sehr mißfallen hat. Frühstücksformation fiel also leider aus. Zum Glück hatten wir noch die Prolo Klapphocker für 14DM/Stück dabei, und selbst auf den popeligen BMW Koffern läßt sich Essen.
Die Grimassen zogen wir nicht etwa, weil wir ständig das BMW Logo beim Essen sehen mußten, sondern weil sich die gekaufte Tomatensauce als reines Chilli Gewürz herausstellte.

 

Am Samstag war erst mal extreme Stranding angesagt ;-). Nach dem der Strand mit Löchern und Burgen übersäht war und wir mindestens 5 mal die ganze Bucht abgeplanscht hatten, beschlossen wir mittags nochmals nach Bonifacio zu fahren und uns mit genügend Zeit die Altstadt anzusehen.

Am Sonntag gab es endlich mal wieder ne richtige Tour ins Inland. Bei Sartene sind wir auf die D65 Richtung Bilzese und dann auf einer Erdpiste weiter bis Radicci.

Wer die Strecke rausgesucht hat brauche ich wohl nicht zu sagen. Am Ende mußte ich mir die wüstesten Beschimpfungen anhören, aber mein Grinsen konnten die mir auch nicht austreiben. Ab Radicci ging es dann auf der D65 wieder auf Asphalt Richtung Levie und S.Lucie zurück nach Sartene.

Obwohl die Straßen sehr schlecht waren, und hinter jeder Kurve Schotter, Sand, Kühe, Schweine oder Ziegen lauern und man deshalb nie allzu schnell fahren kann waren wir total begeistert. An das Wegrutschen des Hecks in den leicht sandigen Kurven gewöhnt man sich schnell ;-).

Am Montag war mal wieder Zeltabbau und Packen angesagt. Jörg muß wohl morgens noch zu lange in der Sonne gelegen haben, sonst läßt sich sein Tarzan mäßiger Auftritt auf seiner LTD kaum erklären.
Als dann alle wieder etwas klarer sind, gehts auf der N196 in nördlicher Richtung nach Ajaccio und dann auf der D81 über Cargese, Piana, Portu nach Partinello. Die Strecke zwischen Piana und Portu gehören zum schönsten was die Insel landschaftlich zu bieten hat.

An den bizarren Felsformationen, die in der Sonne rot leuchteten konnten wir uns fast nicht satt sehen. Auch die Strecke war genial, und ohne die dosentreibenden Touries könnte man’s hier so richtig knallen lassen.

Nach Partinello meint Christoph, das er an der nächsten Tankstelle halten sollte;, da er gerade auf Reserve geschalten hat. Doch die nächste Tankstelle läßt ziemlich auf sich warten, und mit praktisch dem letzten Tropfen Sprit kommt Christoph an einer Tankstelle, die mitten im Nichts, auf Höhe des Abzweigs nach Galeria,steht an . Gerade noch ohne Umschläucheln geschafft.

Zwischen Calvi und Galeria, soll ein sehr schöner Campingplatz sein, den man nur mit geländetauglichem Gerät erreichen kann. Leider konnte ich meine Begleiter nicht davon überzeugen dort hin zu fahren und so sind wir kurz nach Calvi noch vor L’ile Rousse auf einem netten Campingplatz gelandet.

Von unserem zukünftigen Nachbarn aus dem Ruhrpott wurden wir mit frischen Pommes und einem Teller Fischsuppe begrüßt. Wir revanchierten uns indem wir die 15jährige Tochter und ihren Freund mit Bier ausgehalten haben.
Am Dienstag wollten wir den höchsten Berg Korsikas mal „anfahren“. Über Corbara, Monticello, Belgodere und Speloncato ging es nach Castifao. Von dort ging es über die Ascotal Straße auf Asphalt bis zur Bergstation hinauf. Früher war der letzte Teil anscheinend nicht asphaltiert, aber mittlerweile kommt man auch mit nem Joghurtbecher bis auf die 2000m.

Die Straßen waren absolut genial, aber diese hier war der Abschuß: Trotzdem daß die Straße so schmal war, daß gerade 2 Motorräder aufrecht aneinander vorbeikommen, war ein Mittelstreifen eingezeichnet.
Abends wollten wir den Sonnenuntergang bei dem Leuchtturm, den man nur über einen ziemlich schlechten (gut!) Weg erreichen konnte. Leider begann es schon zu dämmern als wir den Weg erreichten. Doch mich konnt niemand mehr von diesem Weg abhalten. Also rief ich meinen Kollegen zu , daß sie auf mich warten sollen, da ich es probieren wollte. Nach dem ersten KM im stehen fahrend passierte ich eine Frau in Leder die mich freundlich grüßte. Leider konnte ich keine Hand vom Lenker nehmen um zurück zu grüßen. Nach noch einem KM sah ich ihren Begleiter sich mit seiner R100R Mystic im Schritttempo vorkämpfen. Auch hier langte es nicht zum Gruß, da ich unbedingt den Sonnenuntergang vom aus Leuchtturm sehen wollte. Doch bis ich ankam war es leider zu spät.
Meine Kollegen, die sich auch 500 Meter in diesen Weg gekämpft hatten, aber dann zwecks mehrerer Aufsetzter aufgaben, erreichte ich dann fast in völliger Dunkelheit. Auf dem Rückweg vollführte Jörg auf seiner LTD einige artistische Einlagen, die an der Stelle als der Weg wieder auf die Straße führte in einem leichten Salto über die Kawa endete. Zum Glück ist außer ein paar Schrammen am Motorrad und nem verbogenem Blinker nichts passiert, so daß wir darüber herzlich lachen konnten.
Zurück am Campingplatz trafen wir dann noch völlig zufällig eine alte Bekannte von mir, die mit zwei Freunden auch mit dem Motorrad hier war. Die Welt ist doch ziemlich klein.

Am Mittwoch den 15.7. machten wir die legendäre Runde ums Cap Corse, die sehr schön war

Am Donnerstag starteten wir nachdem wir den Campingplatz bezahlt hatten um 16.30 auf einer Rüttelpiste Richtung Bastia. Dort suchten wir uns ein Restaurant zum Essen. Es war das Restaurant mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis in dem wir waren. Das Restaurant hieß „Lion D’or“ und ist nur ein paar Gehminuten vom Haafen weg. Um 23 Uhr enterten wir die Fähre der Korsika Ferries, und bezogen unsere im Vergleich zu Moby Lines luxoriöse Kabine.

Freitag um 7 Uhr spuckte uns die Fähre in Savona (bei Genua) aus. Ein Pärchen auf einer DR650, mit denen wir auf der Überfahrt geplaudert hatten schloss sich uns an und so zogen wir zu fünft weiter.
Auf dem Rückweg ging es nur über Landstraßen und Pässe durch die Schweiz. Am eindruckvollsten fand ich den Grimselpass.

So gegen 18 Uhr trafen wir am Titisee bei Neustadt ein und suchten uns einen Campingplatz für die Nacht. Abends genossen wir, traurig, daß der Urlaub zu Ende sein sollte eine Letzte Flasche Martini bianco und verkrochen uns recht früh, bei anfangendem Nieselregen, ins Zelt.

Am Nächsten Morgen gab es nach einem mißtrauischem Blick nach oben ein Blitzfrühstück. So sind wir noch vor 9 Uhr losgekommen und dem Regen weitgehend davongefahren. Beim einzigen heftigeren 5 Minuten Schauer hielten wir glücklicherweise gerade zum Tanken.

Unser Maskottchen, das Christoph aus dem Aldi Film-Dreierpack gezaubert hat, hat die 4000KM unsere Tour mit etwas Blumendraht befestigt gut überstanden. Gerade Abends sorgte es immer für Aufsehen und Gelächter, da es durch den Scheinwerfer richtig leuchtete.


Nun noch ein paar unschöne Daten :

Liter Benzin – ca 2,30 DM.
Essengehen – teuer und meist wenig (Ausnahme Bastia) – Es empfiehlt sich in der Regel ein Menue zu nehmen. Nur so hat man die Chance satt zu werden und nicht viel mehr als 30 DM auszugeben.
Essen (kochen) – deutlich billiger als Essen gehen, doch auch die Zutaten sind weit teuerer als in Deutschland.
Bier – am günstigsten waren die Einheimischen 24er Pack mit 0,25l Flaschen und 5 Umdrehungen pro Liter, die auch nicht schlechter als Kronenburg schmeckten.
Verkehr – Lebensgefährlich wie die Korsen fahren. Wenn man selbst vorsichtig fährt sind die Chanchen von hinten umgemäht zu werden groß. Also besser Fahrstiel anpassen
Campingplätze – meist teuer (Niveau Süditalien) und Sanitärs sind eher „dürftig“ aber für meine Ansprüche durchaus aktzeptabel.
Straßen, Strecken – Hmmmmmm 🙂


weiter Tipps zum Teil nun vom Korsika 2000 Trip :

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Fähre Nachtfähre spart einen Tag (Abfahrt Savona 23 Uhr, Ankunft Bastia 7 Uhr)
Wird angeboten von Corsicaferries.
Kosten: 1 Person 44000 Lire
1 Mopped 68000 Lire + 13500 Lire Steuern
Wenn man „open return bucht“ (Rückreise wird gleich mitbezahlt aber man kann
noch bestimmen wann man überschiffen will) spart man bei 2 Personen und 2 Moppeds 68.000 Lire.
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Essen In Bastia lässt sichs auf der ganzen Insel am günstigsten essen.
Gut und billig „Lion D´or“ im Ortskern ca 3 Minuten zu Fuß vom Hafen
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Strand „Plage de Saleccia“ in der „Desert des Agriates“
Absoluter Traumstrand (Südseelike) mit Campingplatz (400m vom Strand weg)
Aber: 12 KM Anfahrt auf ausgewaschener Sandpiste – mit der Enduro sehr spassig 😉
Mit dem Straßenbike wahrscheinlich eher nervig.


Super Homepage mit vielen weiteren Infos und Berichten zu Korsika: http://www.bike-and-smile.de/

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